Donnerstag, 12. Dezember 2013

Ende des Schuljahres und ein paar Feste

Sooohoo, ein neuer Blogeintrag ist da!


Das Schuljahr ist nun vorbei und die Sommerferien stehen vor der Tür. Am Ende des Jahres stehen natürlich wie auch in Deutschland, Prüfungen oder Ehrungen an.

Hier ist es aber auch so, dass es zum Ende hin einen Tag gibt, an dem jede Klasse etwas zu einem Thema vorstellen muss, um zu zeigen, was sie gelernt haben.
Die Kinder aus Inicial (Vorschule), zum Beispiel, mussten die Zahlen von 1 bis 10 mit kleinen Kärtchen hinlegen und danach zu jeder Zahl die entsprechende Anzahl von kleinen Gegenständen dazulegen. Ein anderes Beispiel ist die fünfte Klasse, die das Sonnensystem vorgestellt haben.
Nachdem die Kinder dann einen kleinen Vortrag dazu gehalten haben, hat eine „Prüfungskomission“ (bestehend aus dem Direktor, einem Lehrer und einem Elternteil) Fragen zu dem Thema gestellt, welche die Kinder beantworten mussten.



Außerdem gab es zu den Fächern Sport und Musik einen gesonderten Prüfungstag.
Zuerst haben die Kinder der ersten bis vierten Klasse verschiedene Sportübungen machen, die der Lehrer vorne stehend gezeigt hat. Eigentlich hatte das nichts mit einer Sportprüfung zu tun, wie ich es mir vorgestellt habe oder wie man es aus Deutschland kennt, sondern hat eher an eine Übung von Soldaten erinnert.
Die Schüler aus der Secundaria (Oberschule) haben Übungen mit Basket- oder Volleybällen gezeigt.
Nachdem der Sportteil fertig war, haben die Schüler getanzt. Wieder haben die Schüler der ersten bis vierten Klasse angefangen. Das war schon ziemlich süß, da die Mädchen alle als Cholitas  mit einer Puppe auf dem Rücken verkleidet waren und die Jungs als Minenarbeiter (wie zum Beispiel aus Potosí).
Die Kostüme der fünften und sechsten Klassen waren auch ziemlich klasse. Sie hatten Jute-/ Plastiksäcke so zerschnitten, dass sie Röcke und Oberteile mit langen Fransen trugen.
Aber das Highlight dieses Tages war der Tanz der unteren Klassen der Secundaria. Zusammen mit dem Lehrer haben sie sich als Clowns verkleidet und dann Kinderlieder, zum Beispiel Pinocchio, gesungen und getanzt.



 









Am 9. Dezember war dann der offizielle letzte Schultag. Allerdings gab es keinen Unterricht, sondern alle Klassen haben Dinge, die sie in dem Schuljahr erarbeitet haben, ausgestellt, so dass Lehrer, Eltern, andere Schüler und natürlich wir, diese bestaunen konnten.
Das Bild habe ich einer der Schülerinnen abgekauft
Die gebastelten Sachen waren alle ziemlich beeindruckend, vor allem wie die Schüler teilweise malen können! Allerdings hat man schnell das Gefühl bekommen, dass die Eltern eigentlich nur zum Essen da waren. In jedem Raum, wo etwas ausgestellt wurde, konnte man sich Wackelpudding (gibt es hier fast überall in kleinen Tüten zu kaufen), Obstsalat oder richtiges Essen, wie Fisch, Reis oder Kartoffeln nehmen. In dem Raum, wo die Sachen der Secundaria ausgestellt wurden, gab es sogar Meerschweinchen zu essen. Ich habe es probiert, aber keinen wirklichen Unterschied zu anderem Fleisch geschmeckt. Aber eigentlich muss ich das doch definitiv nochmal probieren, um euch genauer berichten zu können.

Die ehemaligen Elternvertreter haben als eine Art Ehrung Brot als Ketten geschenkt bekommen
Für die sechste Klasse der Secundaria ist nicht nur dieses Schuljahr vorbei, sondern auch ihre komplette Schullaufbahn. Somit gab es dann am 11. Dezember eine Art Abiverleihung inklusive Abiball in der Schule.
Die Schüler sind in Anzug oder schickem
Cholita-Outfit mit ihrem jeweiligen Patenonkel oder -tante mit Musik auf die geschmückte Bühne gelaufen, wo sie dann vom Direktor und den Lehrern begrüßt wurden und später ihre Zeugnisse bekommen haben. Manche haben noch ein paar Worte gesagt oder ein Gedicht vorgetragen und danach wurde getanzt.
Die „Abiturienten“ haben viele Dinge geschenkt bekommen. Zum Beispiel Geld, Wolldecken, Bier oder Schränke. Man konnte an dem Tag sogar Geschirr kaufen, um das dann den Absolventen zu schenken.
Dann wurde eigentlich, so wie auf jedem Fest, Bier getrunken, ausgeteilt und geteilt. Teilen ist hier ein ganz wichtiger Bestandteil des Lebens, aber dazu ein andermal noch genauer. Jeder Schüler (insgesamt waren es 20) hatten mindestens fünf Kästen Bier vor sich, die er/sie geschenkt bekommen hat. Dazu haben dann nochmal fünf oder sechs Leute Bier verkauft und andere hatten auch nochmal so drei Kästen oder mehr. Also man kann sich vorstellen, es gab sehr viel Bier und die Party ging noch einige Zeit (bei uns noch ein bisschen länger) weiter.



Jetzt mal zu einem anderen Fest. (Langsam bekomme ich das Gefühl, dass ich hier nur noch von Festen berichten kann)
Am 30.11. war das Fest zu Ehren von St. Pedro. Angefangen hat es wie auch eigentlich alle anderen Feste. Wir sind mit Essen und Trinken hoch auf einen Berg gegangen, haben dort gegessen und ein paar Männer haben Flöte und Trommel gespielt, wozu die Autoridades mit ihren weiblichen Begleitungen getanzt haben. Auch hier wurde natürlich Bier getrunken. Was ist schon ein gutes Fest ohne Bier?!



Der interessantere Teil kam aber danach. Uns wurde erzählt, dass man an diesem Tag ein Lama opfern müsse. Das Lama haben wir auch schon auf dem Berg gesehen, es wurde geschmückt und fast alle der Bewohner wollten ein Foto mit dem Lama machen.
Geopfert wurde es allerdings nicht auf dem Berg, sondern am Strand, auf der anderen Seite des Berges. Das hieß also, dass Lovis und ich (Nelson, Sol und Leon wollten lieber nicht mit) zusammen mit den Autoridades und noch ein paar anderen, circa 1 ½ Stunden laufen mussten, bis wir bei dem Strand angekommen sind, und das mit vollem Magen.
Am Strand angekommen, wurde dann noch ein bisschen getanzt (auch das Lama musste „tanzen“) und dann das Lama geopfert. Ich erspare euch mal die Details.


Anfang Dezember gab es mal ein etwas anderes Fest, als die Sonstigen.
Wieder ging es natürlich mit Essen hoch auf den Berg. Aber oben angekommen wurde (noch) nicht gegessen oder Bier getrunken, sondern gebetet. Alle Bewohner haben dafür gebetet, dass bald der Regen kommt, so dass die Ernte nicht kaputt geht, sondern gute Erträge gibt.
Die drei Priester der Gemeinde sind von einer Person zu anderen gegangen, die alle auf den Knien auf dem Boden saßen, und haben ihnen eine Art Schale mit Glut in die Hand gegeben. Diese wurde dann über den Kopf gehalten wurde während man selber und die Priester gebetet haben. Auch wir konnten das machen und ich muss sagen, dass diese Schale doch schon ziemlich heiß war.
Nachdem dann alle mit dem Beten fertig waren, ist man im Kreis herum gegangen und an jeden Menschen um Verzeihung gebeten. Sei es für Streitereien oder generell. Auch das haben wir mitgemacht. Das war super cool zu erleben, auch wenn es ein bisschen komisch war, da wir ja den Großteil der Menschen (noch) nicht kennen.
Nachdem dann auch dieser Teil abgeschlossen war, sind wir alle zusammen in einer großen Gruppe auf dem Berg im Kreis gelaufen. Immer wieder gab es kleine Pausen, in denen man sich auf den Boten knien und beten musste, dass der Regen kommt. Das war einer der emotionalsten Momente, die ich je mitbekommen habe, da fast alle Frauen verzweifelt geweint haben und gefleht haben, dass der Regen kommt.
Es war super beeindruckend, aber auch sehr verständlich, da die Ernte für viele eine der wenigen oder die einzige Einnahmequelle ist.
Am Ende gab es dann natürlich doch noch Essen. Aber ich glaube, dass das das einzige Fest ist/war, wo es kein Bier gab.


So, ist ja doch ein bisschen länger geworden. Die Fotos folgen, sobald ich sie in La Paz hochladen kann.

¡Hasta luego!



Noch ein paar Fotos von unserem kleinen Bootsausflug. Lovis und Leon sind  sogar ins Wasser gesprungen!


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