Donnerstag, 12. Dezember 2013

Ende des Schuljahres und ein paar Feste

Sooohoo, ein neuer Blogeintrag ist da!


Das Schuljahr ist nun vorbei und die Sommerferien stehen vor der Tür. Am Ende des Jahres stehen natürlich wie auch in Deutschland, Prüfungen oder Ehrungen an.

Hier ist es aber auch so, dass es zum Ende hin einen Tag gibt, an dem jede Klasse etwas zu einem Thema vorstellen muss, um zu zeigen, was sie gelernt haben.
Die Kinder aus Inicial (Vorschule), zum Beispiel, mussten die Zahlen von 1 bis 10 mit kleinen Kärtchen hinlegen und danach zu jeder Zahl die entsprechende Anzahl von kleinen Gegenständen dazulegen. Ein anderes Beispiel ist die fünfte Klasse, die das Sonnensystem vorgestellt haben.
Nachdem die Kinder dann einen kleinen Vortrag dazu gehalten haben, hat eine „Prüfungskomission“ (bestehend aus dem Direktor, einem Lehrer und einem Elternteil) Fragen zu dem Thema gestellt, welche die Kinder beantworten mussten.



Außerdem gab es zu den Fächern Sport und Musik einen gesonderten Prüfungstag.
Zuerst haben die Kinder der ersten bis vierten Klasse verschiedene Sportübungen machen, die der Lehrer vorne stehend gezeigt hat. Eigentlich hatte das nichts mit einer Sportprüfung zu tun, wie ich es mir vorgestellt habe oder wie man es aus Deutschland kennt, sondern hat eher an eine Übung von Soldaten erinnert.
Die Schüler aus der Secundaria (Oberschule) haben Übungen mit Basket- oder Volleybällen gezeigt.
Nachdem der Sportteil fertig war, haben die Schüler getanzt. Wieder haben die Schüler der ersten bis vierten Klasse angefangen. Das war schon ziemlich süß, da die Mädchen alle als Cholitas  mit einer Puppe auf dem Rücken verkleidet waren und die Jungs als Minenarbeiter (wie zum Beispiel aus Potosí).
Die Kostüme der fünften und sechsten Klassen waren auch ziemlich klasse. Sie hatten Jute-/ Plastiksäcke so zerschnitten, dass sie Röcke und Oberteile mit langen Fransen trugen.
Aber das Highlight dieses Tages war der Tanz der unteren Klassen der Secundaria. Zusammen mit dem Lehrer haben sie sich als Clowns verkleidet und dann Kinderlieder, zum Beispiel Pinocchio, gesungen und getanzt.



 









Am 9. Dezember war dann der offizielle letzte Schultag. Allerdings gab es keinen Unterricht, sondern alle Klassen haben Dinge, die sie in dem Schuljahr erarbeitet haben, ausgestellt, so dass Lehrer, Eltern, andere Schüler und natürlich wir, diese bestaunen konnten.
Das Bild habe ich einer der Schülerinnen abgekauft
Die gebastelten Sachen waren alle ziemlich beeindruckend, vor allem wie die Schüler teilweise malen können! Allerdings hat man schnell das Gefühl bekommen, dass die Eltern eigentlich nur zum Essen da waren. In jedem Raum, wo etwas ausgestellt wurde, konnte man sich Wackelpudding (gibt es hier fast überall in kleinen Tüten zu kaufen), Obstsalat oder richtiges Essen, wie Fisch, Reis oder Kartoffeln nehmen. In dem Raum, wo die Sachen der Secundaria ausgestellt wurden, gab es sogar Meerschweinchen zu essen. Ich habe es probiert, aber keinen wirklichen Unterschied zu anderem Fleisch geschmeckt. Aber eigentlich muss ich das doch definitiv nochmal probieren, um euch genauer berichten zu können.

Die ehemaligen Elternvertreter haben als eine Art Ehrung Brot als Ketten geschenkt bekommen
Für die sechste Klasse der Secundaria ist nicht nur dieses Schuljahr vorbei, sondern auch ihre komplette Schullaufbahn. Somit gab es dann am 11. Dezember eine Art Abiverleihung inklusive Abiball in der Schule.
Die Schüler sind in Anzug oder schickem
Cholita-Outfit mit ihrem jeweiligen Patenonkel oder -tante mit Musik auf die geschmückte Bühne gelaufen, wo sie dann vom Direktor und den Lehrern begrüßt wurden und später ihre Zeugnisse bekommen haben. Manche haben noch ein paar Worte gesagt oder ein Gedicht vorgetragen und danach wurde getanzt.
Die „Abiturienten“ haben viele Dinge geschenkt bekommen. Zum Beispiel Geld, Wolldecken, Bier oder Schränke. Man konnte an dem Tag sogar Geschirr kaufen, um das dann den Absolventen zu schenken.
Dann wurde eigentlich, so wie auf jedem Fest, Bier getrunken, ausgeteilt und geteilt. Teilen ist hier ein ganz wichtiger Bestandteil des Lebens, aber dazu ein andermal noch genauer. Jeder Schüler (insgesamt waren es 20) hatten mindestens fünf Kästen Bier vor sich, die er/sie geschenkt bekommen hat. Dazu haben dann nochmal fünf oder sechs Leute Bier verkauft und andere hatten auch nochmal so drei Kästen oder mehr. Also man kann sich vorstellen, es gab sehr viel Bier und die Party ging noch einige Zeit (bei uns noch ein bisschen länger) weiter.



Jetzt mal zu einem anderen Fest. (Langsam bekomme ich das Gefühl, dass ich hier nur noch von Festen berichten kann)
Am 30.11. war das Fest zu Ehren von St. Pedro. Angefangen hat es wie auch eigentlich alle anderen Feste. Wir sind mit Essen und Trinken hoch auf einen Berg gegangen, haben dort gegessen und ein paar Männer haben Flöte und Trommel gespielt, wozu die Autoridades mit ihren weiblichen Begleitungen getanzt haben. Auch hier wurde natürlich Bier getrunken. Was ist schon ein gutes Fest ohne Bier?!



Der interessantere Teil kam aber danach. Uns wurde erzählt, dass man an diesem Tag ein Lama opfern müsse. Das Lama haben wir auch schon auf dem Berg gesehen, es wurde geschmückt und fast alle der Bewohner wollten ein Foto mit dem Lama machen.
Geopfert wurde es allerdings nicht auf dem Berg, sondern am Strand, auf der anderen Seite des Berges. Das hieß also, dass Lovis und ich (Nelson, Sol und Leon wollten lieber nicht mit) zusammen mit den Autoridades und noch ein paar anderen, circa 1 ½ Stunden laufen mussten, bis wir bei dem Strand angekommen sind, und das mit vollem Magen.
Am Strand angekommen, wurde dann noch ein bisschen getanzt (auch das Lama musste „tanzen“) und dann das Lama geopfert. Ich erspare euch mal die Details.


Anfang Dezember gab es mal ein etwas anderes Fest, als die Sonstigen.
Wieder ging es natürlich mit Essen hoch auf den Berg. Aber oben angekommen wurde (noch) nicht gegessen oder Bier getrunken, sondern gebetet. Alle Bewohner haben dafür gebetet, dass bald der Regen kommt, so dass die Ernte nicht kaputt geht, sondern gute Erträge gibt.
Die drei Priester der Gemeinde sind von einer Person zu anderen gegangen, die alle auf den Knien auf dem Boden saßen, und haben ihnen eine Art Schale mit Glut in die Hand gegeben. Diese wurde dann über den Kopf gehalten wurde während man selber und die Priester gebetet haben. Auch wir konnten das machen und ich muss sagen, dass diese Schale doch schon ziemlich heiß war.
Nachdem dann alle mit dem Beten fertig waren, ist man im Kreis herum gegangen und an jeden Menschen um Verzeihung gebeten. Sei es für Streitereien oder generell. Auch das haben wir mitgemacht. Das war super cool zu erleben, auch wenn es ein bisschen komisch war, da wir ja den Großteil der Menschen (noch) nicht kennen.
Nachdem dann auch dieser Teil abgeschlossen war, sind wir alle zusammen in einer großen Gruppe auf dem Berg im Kreis gelaufen. Immer wieder gab es kleine Pausen, in denen man sich auf den Boten knien und beten musste, dass der Regen kommt. Das war einer der emotionalsten Momente, die ich je mitbekommen habe, da fast alle Frauen verzweifelt geweint haben und gefleht haben, dass der Regen kommt.
Es war super beeindruckend, aber auch sehr verständlich, da die Ernte für viele eine der wenigen oder die einzige Einnahmequelle ist.
Am Ende gab es dann natürlich doch noch Essen. Aber ich glaube, dass das das einzige Fest ist/war, wo es kein Bier gab.


So, ist ja doch ein bisschen länger geworden. Die Fotos folgen, sobald ich sie in La Paz hochladen kann.

¡Hasta luego!



Noch ein paar Fotos von unserem kleinen Bootsausflug. Lovis und Leon sind  sogar ins Wasser gesprungen!


Freitag, 29. November 2013

Todos Santos


Todos Santos - Allerheiligen

Bolivien ist ein katholisches Land und deshalb wird hier, ähnlich wie zum Beispiel auch in Mexiko, der Tag der Toten (Allerheiligen) gefeiert.
Da das am zweiten November war, konnten wir das natürlich auch miterleben.
Am Tag vor Allerheiligen haben wir unglaublich viel Brot gebacken. Und man backt nicht nur Brot, sondern aus diesem Brotteig formt man auch noch Menschen (in diesem Fall sollten es die verstorbenen Großeltern von Sol und Nelson sein), die dann mit Leitern in den Himmel steigen können und auch noch Vögel, als Zeichen des Friedens und des Himmels.
Wir sind nach Challapampa zu Nelson´s Mutter gelaufen und haben dort den Tag auf dem Friedhof verbracht. Das lief eigentlich so ab, wie sonst auch. Wir haben uns ein Plätzchen am Rand gesucht und nach einer Weile gab es Essen. Natürlich wie immer zwei Gänge, Fleisch und Kartoffel-Nudel Suppe als ersten Gang und als zweiten dann Fleisch, Reis, Kartoffeln und Salat. Es ist schon sehr viel zu essen, was man da immer bekommt!
Und zu Ehren der Verstorbenen und um darum zu bitten, dass diese in Frieden ruhen können, hat jede Familie danach pro verstorbenem Familienmitglied einen Teller mit Obst, Brot und einer Art Popcorn an die Bestatter oder Bekannte (und auch an uns) verteilt. Wenn man diesen Teller bekommen hat, hat man still für den Verstorbenen gebetet und darum gebeten, dass er/sie in Frieden ruhen kann.
Schlussendlich sind wir dann mit noch viel mehr Essen wieder nach Hause gegangen, als wir auf dem Hinweg hatten.

So, mehr ist bei Todos Santos nicht passiert, aber nicht so schlimm, Morgen gibt es schon das nächste Fest!
Hier aber mal ein paar Fotos:


Außerdem haben wir es endlich mal geschafft, zumindest einen Teil der Insel zu erkunden.
Lovis, Leon und ich (Romina war leider krank) sind nach Challapampa in den Norden gelaufen, um von dort aus die berühmten Inkaruinen zu besichtigen und zum Schluss oben auf dem Berg bei der Boleteria den Müll einzusammeln. Auch davon mal ein paar Fotos.




Ansonsten ist es hier sehr sommerlich beziehungsweise frühlingshaft und deshalb gibt es auch bald Sommerferien! Diese Woche haben wir mit allen Klassen Klausuren in Englisch geschrieben (ich glaube, ich war aufgeregter als die Schüler), nächste Woche gibt es gar keinen Unterricht und dann ist der letzte „Schultag“ der 9.Dezember. An diesem Tag gibt es eine Ausstellung von jeder Klasse mit im Unterricht erarbeiteten Gegenständen und dann sind bis zur zweiten Februarwoche Sommerferien.
Und dann kommt ja auch schon Weihnachten, Lovis und Romina haben Geburtstag, Silvester... Und im Januar geht es dann ans Bolivien Erkunden!
Ich freue mich schon darauf, euch davon zu berichten!

Freitag, 25. Oktober 2013

Ein Eindruck meines bolivianischen Lebens

Ich weiß, dass ich schon lange nichts mehr geschrieben habe, dafür wird das hier jetzt ein bisschen länger...


Zuerst einmal: Was mache ich hier eigentlich?

Kaum jemand kann hier auf der Insel, beziehungsweise in Bolivien generell, Englisch und wenn dann nur ein paar Wörter. Deshalb sind wir hier. Erstrangig bringen wir den Kinder in der Schule Englisch bei. Jede Klasse hat einmal in der Woche Englischunterricht.
Romina und ich arbeiten in der Grundschule und Leon und Lovis in der Sekundarschule, wobei wir uns die Stundenpläne jeweils aufgeteilt haben. So hat jeder von uns mindestens zweimal die Woche „frei“, allerdings machen wir dann an diesen Tagen andere Arbeiten, wie zum Beispiel Englischunterricht für Erwachsene oder Projekte zum Thema Müll. Es gibt eigentlich immer genug zu tun und man kann sich gar nicht langweilen!
Die Schule geht jeden Tag bis 13 Uhr. Morgens vor dem Unterricht gibt es immer eine Formación. Das bedeutet, dass sich alle Kinder den Klassen und dem Geschlecht nach geordnet in Reihen vor einer Art Bühne aufstellen. Dann müssen sie marschieren und bestimmte Kommandos, wie „halbe Drehung“, ausführen. Am Ende marschieren sie dann eine Art Schulhymne singend in ihre Klassen. Montags ist diese Formación ungefähr eine Stunde lang. Dann redet ein Lehrer noch über ein bestimmtes Thema, wie Rassismus oder Lügen, der Direktor hält eine kleine Rede, meistens in Aymara, so dass ich nichts verstehe, und eine Klasse muss etwas vormachen.
Hier jetzt mal ein paar Fotos von der Schule, damit ihr eine Vorstellung davon bekommt wo und wie ich arbeite.
Rechts sieht man die Bolivianische Flagge und
links die Flagge der indigenen Bevölkerung



Das ist der Umriss vom Departamento La Paz
Hier sieht man einen Teil des Schulgebäudes von außen

Das Müllprojekt
Neben der Schule arbeiten wir auch an anderen Projekten, wie zum Beispiel dem Müllprojekt.
Die vorherigen Freiwilligen haben schon 14 Mülleimer gebaut, aber es nicht mehr geschafft, diese dann auch anzubringen. Also machen wir das jetzt.
Es sind immer zwei Mülleimer, zwischen drei Holzbalken anzubringen. Das ist zwar super viel Arbeit, sieht aber gut aus.
Die ersten Mülleimer haben wir oben auf einem Berg bei der
Boletería (eine Art Mautstelle am Beginn der Comunidad Ch´alla) angebracht. Insgesamt haben wir dafür 2 Tage gebraucht, da der Boden dort oben quasi nur aus Steinen besteht. Aber ich muss sagen, wenn man dann fertig ist, ist man schon stolz auf sich – aber nicht zu sehr, 12 folgen noch!


Das Plastiktütenprojekt
In Bolivien bekommt man alles, was man kauft in Plastiktüten. Somit kann man sich dann auch gut vorstellen, dass man einen Haufen an solchen ansammelt. Manche sind noch ganz, aber die meisten sind kaputt und man kann sie nicht mehr für ihren herkömmlichen Zweck nutzen. Aus diesem Grund haben wir damit ein Projekt gestartet.
Wir zerschneiden die Tüten so, dass ein langer Faden daraus entsteht und man es wie Wolle aufwickeln kann. Daraus häkeln oder stricken wir dann neue, robustere Tüten, Portemonnaies oder Ähnliches.
Bald werde ich dann auch mal eine detaillierte Anleitung mit Fotos veröffentlichen, dann könnt ihr das auch mal probieren.

Soviel zu meiner Arbeit, aber jetzt mal ein bisschen zu meiner Wohnsituation.
Also eigentlich ist das Haus in dem wir wohnen ein Hostel von Hostelling International Bolivia. Aber im Prinzip ist es wie ein Leben in einer Gastfamilie. Das Haus hat 6 Zimmer, wobei zwei von uns Freiwilligen genutzt werden und zwei von den Hosteleltern.
Nelson und Sol sind quasi unsere Hostel-/Gasteltern. Die Beiden sind super cool, noch relativ jung und sehr sympathisch. Hier ist es üblich, dass man schon sehr früh Kinder bekommt und deshalb haben auch Nelson und Sol schon eine dreijährige Tochter namens Cielo. Die Kleine hat so unglaublich viel Energie, dass ich froh bin, dass wir zu viert sind, um mit ihr zu spielen. Aber eigentlich ist sie schon viel weiter in ihrer Entwicklung, außer in Hinblick auf soziale Kompetenzen mit anderen Kindern, da sie Einzelkind ist, was hier auch eher unüblich ist.
Eigentlich ist das hier wie ein richtiges Familienleben. Wir kochen und putzen zusammen, essen abends gemeinsam in der Küche und reden dann noch lange. (Wobei „lang“ hier nicht das Selbe wie in Deutschland bedeutet, weil man meistens um neun im Bett liegt. Man lebt hier nach der Sonne gerichtet.) Meistens schläft Cielo beim Abendessen ein, was ziemlich süß ist.
Ansonsten lebt noch Jorge, der Vater von Nelson, bei uns, allerdings sieht man ihn nicht allzu oft, da er entweder in La Paz oder Copacabana einkaufen ist oder noch bis spät abends bei einer Reunion, also bei einer Zusammenkunft der Vorsitzenden der Gemeinde, ist. Aber auch der ist ein super netter.
Ja, mehr Menschen leben nicht hier mit uns, nur noch Tiere. Wir haben zwei Hähne, die nicht allzu beliebt bei uns sind, weil sie alles verschmutzen, und Negra, unsere Hündin. Negra ist eine super süße Hündin, die überall, wo man hingeht mitkommt und einem nicht von der Seite weicht, egal ob man mal kurz zum Kiosk geht oder bis hoch oben auf den Berg.
Zusammenfassend muss ich sagen, dass ich mich hier super wohl fühle!

Die Insel, das sagen die Einheimischen, ist eine Insel der Feste. Ich muss sagen, da stimme ich zu!
Schon nach einem Monat war das erste Fest,
El Día del Estudiante, von dem ich ja schon berichtet habe.
Am letzten17.10. war dann das nächste Fest. Hier hat die Erntezeit begonnen, beziehungsweise die Zeit zum Sähen der (überwiegend) Kartoffeln. Da hier die Pachamama (Mutter Erde) eine sehr große Rolle spielt, wird diese immer darum gebeten eine gute Ernte abzugeben.
Eigentlich hat das Fest zu Ehren von Pachamama aber schon einen Tag früher begonnen. Zu uns sind Cousinen, Schwestern von Nelson mit ihren Ehemänner gekommen und haben dann zusammen gekocht. Aber sie haben nicht nur für sich gekocht, sondern auch noch für Jorge und andere Verwandte. Als das Essen dann fertig war, sind Lovis und ich (Romina hatte Schule und Leon war krank) mit den Verwandten von Nelson auf den höchsten Punkt der Insel gestiegen. Natürlich hatten wir alle mindestens einen Kochtopf in der Hand, es war wirklich viel Essen. Das war schon ziemlich anstrengend, aber wenn man weiß, dass man oben leckeres Essen bekommt, geht alles. Außerdem hat uns die Aussicht, die man von oben hat, entschädigt. In der Mitte saßen die Vorsitzenden der Gemeinde, darunter auch Jorge, und haben geredet. Darum herum saßen in kleinen Grüppchen ein paar Familien verteilt, immer mit Kochtöpfen in der Mitte. Irgendwann gab es dann Essen: erster Gang: Schaf, Kartoffeln, Erbsen und scharfer Suppe
zweiter Gang: Hühchen, Reis, Kartoffeln, Salat und Postre (eine süße, fritierte Banane)
Nach dem Essen ist man so satt, dass man eigentlich nur noch Schlafen möchte, aber eigentlich muss man auch die Aussicht genießen.
Donnerstag war dann das eigentliche Fest. Früh Morgens ging es für die Autoridades,also die Vorsitzenden, mit ihren Partnerinnen oder nahen weiblichen Verwandten (in unserem Fall Jorge und Sol) auf eine kleine Insel, von wo aus sie dann auf der einen Seite des Berges hoch und auf der anderen Seite wieder runter tanzen mussten. Auch an diesem Tag kamen wieder Nelsons Verwandte, um zu kochen. Lovis und ich hatten noch Schule, also sind wir (die anderen mit dem Boot) auf die andere Seite der Insel zum Fest gelaufen. Das gab ein super cooles Foto von oben, da die Autoridades und ihre Partnerinnen alle pinke Ponchos beziehungsweise Oberteile an hatten und in einer Reihe in der Mitte des Strandes saßen. Alle anderen der Gemeinde saßen wieder in kleinen Grüppchen darum herum. Fast die gesamte Zeit haben einige Männer auf einer Art Blockflöte gespielt und die Autoridades haben in zwei Reihen getanzt. Nach einer Weile gab es dann wieder das gekochte Essen. Das Essen war ähnlich wie das am Tag vorher, nur eigentlich noch mehr.
Nach dem Essen hat jeder oder zumindest jede Familie aus der Gemeinde jeder Autoridad einen Teller mit Obst, Brot und manchmal Cola geschenkt. Am Schluss hatten Sol und Jorge dann einen riesen Haufen mit Orangen, Bananen, Brot und anderem Obst vor sich liegen. Hintergrund ist wohl das Teilen mit anderen Personen und damit auch das Aussprechen ihres Respektes gegenüber den Autoridades. Teilen ist hier eine super wichtige Komponente. Egal wo man ist, man bekommt eigentlich immer etwas angeboten und umgekehrt sollte das auch so sein. Ich bekomme immer das Gefühl dadurch Stück für Stück mehr zur Gemeinde zu gehören.
Nach einer Weile wurde dann Coca und Bier geteilt. Hier ist es Brauch, dass man es eigentlich nicht ablehnen kann, wenn man zum Beispiel auf ein Glas Bier eingeladen wird. Aber bevor man trinkt muss man der Pachamama etwas abgeben, also ein bisschen (oder ein bisschen mehr) von seinem Getränk auf den Boden schütten.
Gegen sechs Uhr sind wir dann alle zusammen mit einer Lancha (Boot) zurückgefahren.

Und wisst ihr was?! - Am 2. November ist hier Todos Santos (der Tag der Toten), also das nächste Fest!

Wenn wir nicht auf der Isla sind, sind wir in La Paz und das meistens für ein Wochenende im Monat. Dieses Mal gab es Freitag keinen Unterricht, wir konnten also schon Freitagfrüh von Challapampa (der Gemeinde im Norden) aus nach Copacabana und von da aus nach La Paz fahren. In La Paz gehen wir dann Essensachen für den Monat einkaufen oder geben viel zu viel Geld in den super vielen traditionellen Geschäften aus. Da ist es schon ein guter Ausgleich, wenn man auf der Isla eigentlich nicht die Möglichkeit hat, Geld asuzugeben.


Dieses Mal wollten wir uns aber auch mal El Alto, die viel ärmere Stadt am Rand von La Paz, angucken und auf den berühmten Markt dort gehen. Da dieser aber nur donnerstags und sonntags ist, haben wir uns dazu entschieden mit den Lehrern am Montagfrüh um 6 in Copacabana Richtung Insel zu fahren. Sonntag sind wir also früh aufgestanden, um dann mit einem der Micros (kleine öffentliche Busse) nach El Alto zu fahren. Wir hatten eigentlich schon Angst oder zumindest ein bisschen Muffensausen, weil El Alto gefährlicher ist als La Paz, aber ich habe mich nicht einmal unsicher oder unwohl gefühlt und passiert ist auch nichts. Also keine Sorge!
Der Markt ist riesengroß. Wir hatten gar nicht die Möglichkeit alles anzusehen, weil man sich erstens verlaufen würde und Tage dafür bräuchte. Aber das, was wir gesehen haben, war unglaublich! Und alles super billig. Es gab Kickertische, Schuhe, Obst, Fahrräder, Kleidung, Spiele, eigentlich gab es alles. Und viel zu viele leckere Süßigkeiten wie getrocknete Bohnen oder Salteñas (eine Art gefüllte Teigtasche). Leider hatten wir nicht zu viel Zeit, da wir noch den letzten Bus nach Copacabana bekommen mussten. Schließlich haben wir uns um sechs Uhr morgens mit den Lehrern verabredet.

So, das war es erstmal... Bis zum nächsten Mal!

Samstag, 5. Oktober 2013

Endlich die versprochenen Fotos!


Romina, Cielo und Lovis auf dem Weg zum See
Wir haben natürlich alle getanzt und hatten dementsprechende Kostüme an
(v.l.n.r. Nelson, Sol, Jessi, Romina, Cielo, Lovis, Leon)
Die Tinku Hüte sind immer mit mehreren Spiegeln und vielen bunten Federn und Schnüren versehen


So sieht das Kleid und mit den Schals aus, die man sich um den Hals und die Taille bindet

Der erste Auftritt ist geschafft!

 
Cielo und ich nach dem Tanz

Nelson in seinem Kostüm